Trägeröle: Die unverzichtbare Basis der Aromatherapie
Der Begriff "Trägeröl" (auch Basisöl genannt) beschreibt in der Regel hochwertige, fette Pflanzenöle. Wie in unserem Abschnitt über kaltgepresste Öle beschrieben, werden diese Öle extrem schonend gewonnen. In der Aromatherapie und der Herstellung von Naturkosmetik erfüllen sie jedoch eine ganz spezifische, zweifache Funktion: Sie sind sowohl Verdünnungsmittel als auch eigenständiger Wirkstoff.
Wenn hochaktive Terpenmoleküle aus ätherischen Ölen direkt auf die Haut aufgetragen werden, führen sie aufgrund ihrer Konzentration und Flüchtigkeit oft zu lokalen Reizungen (Rötungen, Brennen, Sensibilisierung). Zudem würden sie bei Körpertemperatur extrem schnell in die Luft verdunsten. Trägeröle lösen dieses Problem elegant: Da ätherische Öle lipophil (fettliebend) sind, binden sie sich perfekt in die Lipidmatrix des Trägeröls ein. Das Öl fungiert als "Vehikel", welches die flüchtigen Moleküle festhält, deren Verdunstung stark verlangsamt und sie sicher und gleichmäßig in die Epidermis schleust.
Auswahlkriterien für Trägeröle: Einziehverhalten und Viskosität
Nicht jedes Öl eignet sich für jede Anwendung. Die Auswahl des perfekten Trägeröls hängt primär von seinem Einziehverhalten ab, welches wiederum durch das Fettsäurespektrum definiert wird:
- Trocknende Öle (Schnell einziehend): Öle wie Traubenkernöl oder Hagebuttenkernöl sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (wie Linolsäure). Sie ziehen rasend schnell in die Haut ein, ohne einen spürbaren Fettfilm zu hinterlassen. Sie sind ideal für die Gesichtspflege und für Mischhaut.
- Halbtrocknende Öle (Mittel): Klassiker wie Mandelöl oder Sesamöl. Sie bieten eine perfekte Balance aus Pflege und Gleitfähigkeit und sind der absolute Standard für Ganzkörpermassagen.
- Nicht trocknende Öle (Langsam einziehend): Schwere Öle wie Avocadoöl oder Macadamianussöl, die extrem reich an einfach ungesättigten Fettsäuren (Ölsäure) sind. Sie bilden einen Schutzfilm auf der Haut und eignen sich hervorragend für sehr trockene, reife oder barrieregestörte Haut.
Das Phänomen Jojobaöl als universelles Trägeröl
Eine absolute Ausnahme in der Welt der Trägeröle bildet das Jojobaöl. Chemisch betrachtet handelt es sich hierbei nicht um ein fettes Öl (Triglycerid), sondern um ein flüssiges Wachs. Diese einzigartige molekulare Struktur macht es extrem oxidationsstabil (es wird praktisch nicht ranzig) und seiner Zusammensetzung nach dem menschlichen Hauttalg (Sebum) sehr ähnlich. Es reguliert die Talgproduktion und ist daher sowohl für trockene als auch für zu Akne neigende Haut das universelle Trägeröl schlechthin.
Mischverhältnisse für Trägeröle (Die sichere Verdünnung)
Die korrekte Verdünnung ist die oberste Regel der Aromatherapie. Ein Standard-Mischverhältnis für gesunde Erwachsene bei einer großflächigen Körperanwendung liegt bei etwa 1% bis 2% ätherischem Öl auf die Gesamtmenge des Trägeröls. (Als Faustregel: 1 ml ätherisches Öl entspricht ca. 20-25 Tropfen). Für das Gesicht (0,5% bis 1%) oder bei Kindern und Senioren müssen die Dosierungen drastisch reduziert werden. Ausführlichere Tabellen und chemische Wechselwirkungen finden Sie im Bereich Mischungen & Anwendung.